Flandern gedenkt den Ersten Weltkrieg.

BRÜSSEL TICKT DEUTSCH

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Brussel tikt Duits
Brussel tikt Duits

Auf den Tag genau vor hundert Jahren, als die deutschen Truppen in Brüssel einmarschierten, eröffnet das Museum der Stadt Brüssel, auf Initiative der Schöffin für Kultur Karine Lalieux, die Ausstellung 14-18 Brüssel tickt Deutsch. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft Ihrer Majestäten des Königs und der Königin. Noch bis zum 3. Mai 2015 können Besucher einen Einblick in den Alltag der Bevölkerung in Brüssel und in einigen deutschen Großstädten während des Ersten Weltkriegs gewinnen.

Städte im Krieg

Anstatt die traditionellen Bilder aus den Schützengräben zu zeigen, vergleicht 14-18 Brüssel tickt Deutsch die materielle Versorgung und die Gefühlslage der Zivilbevölkerung in Brüssel und in Deutschland. „Wir wollten die Rolle Deutschlands nicht auf die des Besatzers reduzieren“, erklärt Gonzague Pluvinage, Historiker und Kurator der Ausstellung, „sondern vielmehr anhand der auf den Krieg eingestellten deutschen Gesellschaft, gewisse Besonderheiten dieses Konflikts illustrieren, in den Belgien und die Brüsseler gegen ihren Willen hineingezogen werden.“ Neben den schwierigen Lebensbedingungen dieser Kriegsjahre zeigt die Ausstellung auch, welche Gefühle Männer und Frauen damals diesseits und jenseits der Grenze hegen. Der Kurator unterstreicht, dass es sich um „eine intime Ausstellung handelt, die sich auf den Alltag der Menschen konzentriert.“ Essen, sich kleiden, die Wohnung heizen und zudem seinem Land dienen: Trotz unterschiedlicher Lebensbedingungen teilen die Menschen der beiden Länder die gleichen Sorgen.

Weil die Ausstellung ein breites Publikum ansprechen möchte (Begleittexte in Französisch, Niederländisch, Englisch und Deutsch), reicht die Bandbreite der Exponate von Originalfotos und -filmen über patriotische Darstellungen, private Briefe und Tagebücher bis zu Tondokumenten und einzigartigen, während der Besatzung entstandenen Karikaturen, die in den Stadtarchiven von Brüssel aufbewahrt werden. Häufig treiben sie den Spott mit dem Regiment, das die Deutschen den Bürgern aufzwingen: Beschlagnahmungen, Umstellung auf die deutsche Uhrzeit, Versorgungsengpässe, Ausgangssperre usw. „Ergänzend zu den Vitrinen, die den Kontext veranschaulichen, gelingt es uns mit den Karikaturen, eine spannende Seite dieser Geschichte originell darzustellen“, so der Kurator Gonzague Pluvinage.

1914-1918 Villes en guerre (Städte im Krieg), ist die jüngste Ausgabe der Zeitschrift für Stadtgeschichte Cahiers Bruxellois (veröffentlicht von den Archiven und vom Museum der Stadt Brüssel) erweitert die vergleichende Geschichtsperspektive auf andere Städte im Krieg: u.a. Mons, Brügge, Berlin, Wien und London. Die Beiträge von internationalen Experten zeigen anschaulich, wie das Ausmaß des Ersten Weltkriegs sich auf die gesamte Bevölkerung der kriegsführenden Länder auswirkt und zu einem Umbruch in der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung der europäischen Gesellschaften führt. Ob mit oder ohne Änderung des politischen Regimes stehen Anfang der 1920er Jahre, nach den Erschütterungen des Krieges, andere Länder aus den Trümmern auf.

Brussel tikt Duits
Brussel tikt Duits

Aktivitäten für alle

Ausgezeichnet mit dem Museumspreis der Region Brüssel-Hauptstadt 2014 bemüht sich das Museum der Stadt Brüssel, ein besonders breit gefächertes Publikum zu begeistern. „Alle Brüsseler an die Pflicht des Gedenkens zu erinnern, scheint mir von vorrangiger Bedeutung. Besonders begrüße ich die Arbeit, die die Museumsteams leisten, um Kinder und Jugendlichen für das Thema zu sensibilisieren“, erklärt Kulturschöffin Karine Lalieux. Für Familien gibt es einen speziell für Kinder gestalteten Museumsparcours. Für die Lehrkräfte der Primar- und Sekundarschulen liegen pädagogische Arbeitshefte bereit. Das Museum ist ebenfalls ausgerüstet, um hör- und sehbehinderten Besuchern die Möglichkeit zu bieten, die Atmosphäre in Brüssel in den Jahren des Ersten Weltkriegs zu erfahren.  Zahlreiche, kostenlose Aktivitäten sind begleitend zu der Ausstellung geplant. Karine Lalieux: „Wir haben Konferenzen, Konzerte, Theateranimationen, Filmvorführungen geplant. Nicht zuletzt wird unsere Website zum Thema www.14-18.bruxelles.be bis 2018 ständig aktualisiert.“

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